Glaubwürdige Regionalität

Region - eine “Einordnung”  

Die Regionalbewegung sieht eine einheitliche Definition für „Region“ aufgrund der heterogenen Gestaltung des Bundesgebiets weder möglich noch sinnvoll. Die Auswahl von Regionsgrenzen verlangt Fingerspitzengefühl, hilfreich können dabei sowohl administrative, geographische als auch historisch und kulturell entstandene Grenzen sein. Keine davon sollte jedoch obligatorisch sein. Wichtig ist, dass die Regions-Definition  für deren Einwohner*innen und damit auch Verbraucher*innen schlüssig ist. Aus Sicht von Regionalvermarktungs-Aktivitäten muss die Region klein genug sein, um den Verbraucher*innen ein Gefühl von Zugehörigkeit (regionale Identität) vermitteln zu können und wiederum mit Anschluss an den nächsten Ballungsraum groß genug sein, um einen guten Markt mit  ausreichend Kaufkraft zu bieten, um eine kritische Masse für den Absatz für regionale Vermarktung erreichen zu können.

(vgl. Regionalitätsstrategie NRW, S. 9)

Dauerthema: "Regional oder Region" gesetzlich definieren - ja oder nein?

Auf gesetzlicher Ebene sind bisher keine Kriterien und Richtlinien vorhanden, durch welche genau definiert ist, in welchem Rahmen mit den Begriffen „Region“, „regional“ oder „regionales Produkt“ geworben werden darf. Gleichwohl existieren eine Reihe mehr oder weniger etablierter Regionalauslobungen am Markt, die sehr heterogen gestaltet sind.

Die Folge:
  • Für Verbraucher*innen ein undurchschaubarer Markt, der von glaubwürdigen, zu vermeintlichen Regionalprodukten bis hin zu regelrechten regionalen „Mogelpackungen“, die nur Regionalität suggerieren, reicht.

  • Ehrlich und glaubwürdig regional agierende Erzeuger*innen sehen sich einem Markt ausgesetzt, der teilweise mit unlauteren, aber bisher legalen Mitteln mit dem Verkaufsargument “regional” wirbt, um die konstant hohe Verbraucher-Nachfrage nach “Regionalität” möglichst gewinnbringend zu bedienen.

5 Kriterien für die Basis eines glaubwürdig regionalen Produktes im Sinne der Regionalbewegung:
  • Rohstoffe aus der Region

  • Verarbeitung in der Region

  • Vermarktung in der Region

  • Einsatz heimischer Futtermittel

  • Ohne Gentechnik

Glaubwürdige Regionalität - Regional ist mehr als nur Herkunft!

Vertiefter betrachtet legt die Regionalbewegung der Definition „glaubwürdig regionales Produkt“ neben dem Herkunftsprinzip auch ein Vermarktungsprinzip sowie Qualitäts- und Produktionsprinzipien und soziale Prinzipien zugrunde.

Für das Herkunftsprinzip definiert die Regionalbewegung: Nach einer schlüssigen Definition von Region, muss ein glaubwürdiges regionales Produkt aus dieser definierten Region (Monoprodukte zu 100 %, bei zusammengesetzten Produkten der wertgebende Bestandteil) stammen und dort verarbeitet werden. Das Vermarktungsprinzip folgt der Prämisse „aus der Region – für die Region”, d.h. die Vermarktung eines regionalen Produkts findet überwiegend in der definierten Region statt.

Soziale Prinzipien haben zum Ziel, in der regionalen Produktion für faire Preise und Bezahlung auf allen Wertschöpfungsstufen zu garantieren.

Qualitätsprinzipien streben eine klima-,  umwelt- und ressourcenschonende sowie biodiversitätsfördernde landwirtschaftliche Produktion an. Unter der Berücksichtigung des Tierwohls. (hierzu zählt u.a. auch eine Produktion „ohne Gentechnik“ und „unter Verwendung vorwiegend regionaler Futtermittel“)

Produktionsprinzipien sorgen dafür, dass die landwirtschaftliche Produktion sich an den o.g. Prinzipien orientiert und diese geprüft, kontrolliert und zertifiziert werden.

Ziel der Regionalbewegung: 

Die Regionalbewegung begleitet die Vorhaben, Entwicklungen und Diskussionen rund um gesetzlich geregelte Definitionen von “Region” sowie zu verbindlichen sowie unverbindlichen Regionalkennzeichnungssystemen seit Beginn ihrer Tätigkeit intensiv und kritisch.


Schutz glaubwürdiger Regional- Akteure und Transparenz für regional-affine Verbraucher*innen

Wie genau ausgestaltet gesetzliche Regelungen, Definitionen oder Kennzeichnungen sein sollen oder können, ist und wird Ergebnis eines Prozesses sein, der längst nicht zu Ende ist und sich immer wieder den neuen Gegebenheiten der Regiobranche anpassen muss.

Ziel und Minimalanforderung der Regionalbewegung ist es jedoch zu jedem Zeitpunkt in diesem Prozess  mit einer Transparenzregelung für regionalbezogene Angaben (ob unverbindlich oder verbindlich) glaubwürdig regional agierende Produzent*innen und damit vor allem kleinst- , kleine  und mittelständisch strukturierte Lebensmittelbetriebe vor unlauterem Wettbewerb zu schützen. Und damit regionale Mogelpackungen auf dem Markt im Sinne des Verbraucher- und des Erzeugerschutzes strikt zu vermeiden.

Es braucht also soviel Schutz für die Bezeichnung "regional" wie nötig, aber gleichzeitig so wenig Pflicht und Bürokratie wie möglich, um die Akteure der Regiobranche nicht zu überfordern und damit nur Lebensmittelhandel und -industrie in die Hände spielen.

Perspektivisch sollte aufbauend darauf auf eine ?fakultativ-obligatorische Auslobung von Regionalität die Etablierung von fakultativen Qualitätsangaben für „regionale Produkte“ im Sinne der 5 oben genannten Prinzipien erfolgen.

Mehr zum Thema

Mit zahlreichen Projekten und Dialogformaten legt der BRB einen Fokus auf die Glaubwürdigkeit von Regionalität und von regionalen Erzeugnissen. Die Forschungsaufgaben des BRB, seine Funktion als Interessensvertretung sowie die Verbraucheraufklärung zielt mit verschiedenen Maßnahmen und Schwerpunkten in der Projektarbeit bereits ganz praxisorientiert auf die Glaubwürdigkeit von Regionalität ab:

Bundestreffen

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Tag der Regionen

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QCRegioBio

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Regionalsiegel

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Aktuelles aus der Regionalbewegung:

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