Erstes Bundestreffen der Regionalbewegung in Feuchtwangen

Fast 200 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich am 31.03-02.04.2004 zum ersten Bundestreffen der Regionalbewegung im fränkischen Feuchtwangen. Erstmalig veranstaltete das Aktionsbündnis Tag der Regionen gemeinsam mit Agenda-Transfer/Bundesweite Servicestelle Lokale Agenda 21, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege, dem Bund für Umwelt und Naturschutz, dem Verein Artenreiches Land - Lebenswerte Stadt, der Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal, dem Verein UNSER LAND sowie dem Agenda-Forum Mitwitz dieses Bundestreffen.

Die Organisatoren luden nach Feuchtwangen ein, um aktiv die Regionalbewegung zu stärken und Gelegenheit zu geben, sich an guten Beispielen zu orientieren. In Foren konnten die Teilnehmenden über den Weg in eine starke regionale Zukunft diskutieren und sich mit "Gleichgesinnten" unterhalten. An den drei Tagen wurden Konzepte erarbeitet, wie durch regionale Wirtschaftskreisläufe und ein bewusstes Miteinander zur Stärkung der Regionen beigetragen werden kann.

"Die Regionalbewegung in Deutschland braucht eine starke Lobby!”, unterstrich Heiner Sindel, Sprecher des Aktionsbündnisses Tag der Regionen. Bisher arbeiten viele Regionalinitiativen ohne Kontakt zueinander und kaum bemerkt von der Öffentlichkeit. "Mit dem ersten Bundestreffen der Regionalbewegung möchten wir heraus aus der Nische und zeigen, dass regionale Wirtschaftskreisläufe eine große Chance sind. Sie sichern Arbeitsplätze, sie fördern bürgerschaftliches Engagement durch Nachbarschaft im Gegensatz zur ‘Ich-Gesellschaf’’ und sie sparen Energie und schützen Ressourcen, damit auch die nächste Generation noch eine hohe Lebensqualität hat."

Regionalbewegung in Europa ReferentInnen stellten die Regionalbewegung vor, die nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen europäischen Ländern einen immer stärkeren Zuspruch findet. "Derzeit gibt es im Bundesgebiet rund 450 Initiativen die sich in den verschiedensten Bereichen der nachhaltigen Regionalentwicklung engagieren.", so Bernd Blümlein, Deutscher Verband für Landschaftspflege. Sehr erfolgreich arbeitet seit vielen Jahren die österreichische Waldviertel-Region. Deren Regionalmanager Richard Greindl lieferte einen Überblick über die Regionalbewegung in Europa. "Es gibt ein starkes Nord-Süd-Gefälle.", erklärte Greindl. "In den skandinavischen Ländern gibt es viele gute Projekte, die sind uns voraus. Was auffällt: besonders in Osteuropa und den baltischen Staaten entwickelt sich die Regionalbewegung massiv. Die südlichen Länder und Frankreich tun sich hingegen schwer."

Um auf die Probleme durch die Globalisierung und die fortschreitende Verödung der Innenstädte hinzuweisen, hatten Feuchtwanger BürgerInnen eine Aktion vorbereitet: Sie mauerten im grellen Scheinwerferlicht ihren als "Festsaal Frankens" bekannten Marktplatz ein. Stein für Stein schlossen sie die Zufahrtsstraßen zum historischen Stadtkern. Sie wollten damit zeigen, dass Feuchtwangen bald "dicht machen" kann, wenn es so weitergeht mit der Konkurrenz auf der grünen Wiese. Denn das Zentrum Feuchtwangens droht unter dem wachsenden Druck der Handelsketten, die sich am Stadtrand ausbreiten, auszusterben - eine Entwicklung von der zahllose deutsche Städte betroffen sind. Das anschließende Einreißen der Mauern steht auch symbolisch für das Einreißen von Mauern in unseren Köpfen. Als Höhepunkt des Abends zogen drei Kräne vor zahlreichen Schaulustigen große Plakate in den Abendhimmel, um schriftlich zu symbolisieren: "Global Player kennen keine Nachbarschaft".

Nachbar wir brauchen UNS Mit der am darauf folgenden Tag gestarteten Aktion "Nachbar wir brauchen UNS” setzt die Regionalbewegung auf einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. ""Geiz ist geil" und "Ich bin doch nicht blöd" sind Parolen die Spuren in der Gesellschaft hinterlassen haben", so Gisela Endt, die Bundeskoordinatorin des Aktionsbündnisses. Spuren, die gerade vielen kleinen Betrieben das wirtschaftliche Überleben schwer machen.

Um der Gleichgültigkeit gegenüber dem Nachbarn entgegenzuwirken, wurden in Feuchtwangen die ersten fünf kleinen Geschäfte und Landwirtschaftsbetriebe mit der "Nachbar wir brauchen UNS"-Plakette ausgezeichnet.

Diese Aktion soll nun auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Örtlichen Einzelhändlern, Handwerkern und Landwirten soll der Rücken gestärkt werden, auch in schwierigen Zeiten dem Druck standzuhalten. Die VerbraucherInnen haben es in der Hand, ob stellvertretend der Feuchtwanger Marktplatz auch künftig ein lebendiges Stadtzentrum ist, oder bald nur noch Museumskulisse.

Feuchtwanger Charta Am Freitag unterzeichneten die Akteure schließlich als Ergebnis der dreitägigen Konferenz die "Feuchtwanger Charta", ein Grundlagenpapier zur Stärkung der Regionalbewegung in Deutschland. Sie untermauert in fünf Punkten, was für eine lebendige Region unabdingbar ist: Bürgerschaftliches Engagement, Demokratie, nachhaltige Arbeit in klein- und mittelständischen Strukturen, Ressourcenschutz und regenerative Energien. Das Leitbild soll laut Heiner Sindel auch demonstrieren: "Die Regionalbewegung formiert sich!" Er übergab die Charta an Wolfgang Reimer aus dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Die Initiatoren des ersten Bundestreffens der Regionalbewegung sehen in ihrer Veranstaltung eine konsequente Weiterentwicklung des Tag der Regionen.

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