Gegen Gammelfleisch hilft die Transparenz regionaler Kreisläufe

Borgentreich, 8. Dezember 2005.
Metzger, Bäcker, direktvermarktende Landwirte und viele andere stehen schon lange im Spannungsfeld zur Globalisierung. Große Lebensmittelskandale treiben Ihnen immer wieder ein paar Kunden zu.

Doch Skandale wirken so nachhaltig wie Fastenkuren: kaum hat man sich mühsam von überflüssigen Pfunden getrennt, setzt der sogenannte Jojo-Effekt ein und nach wenigen Wochen hat man wieder sein „altes Kampfgewicht“. Wer nachhaltig Gewicht abnehmen will, kommt nicht umhin, seine Gewohnheiten zu ändern.

Ihre Gewohnheiten müssen auch die Verbraucher umstellen, die sich nicht mehr den Machenschaften der Fleischmafia und weiterer schwarzer Schafe aus der Nahrungsmittelindustrie aussetzen wollen.

Wer meint der Gammelfleisch-Praxis industrieller Nahrungsmittel-Betrüger zu entweichen, indem mehr Obst und Gemüse gegessen wird, dem dürfte die jüngste Greenpeace-Studie nicht schmecken: in 27 von 112 getesteten Obst- und Gemüseproben fand Greenpeace unter anderem Rückstände verbotener und zum Teil krebserregender Spritzmittel.

Das Problem beginnt da, wo Lebewesen und Lebensmittel zur x-beliebigen Massenware werden. Davon sind jedenfalls Akteure verschiedener Regionalinitiativen überzeugt, die sich jüngst zum Bundesverband der Regionalbewegung e.V. zusammengeschlossen haben, um der zunehmenden Globalisierung von Lebensmitteln, Handwerks- und Dienstleitungen entgegen zu wirken.

Die Vorstandsmitglieder des Bundesverbandes der Regionalbewegung waren sich auf ihrer gestrigen Sitzung in Kassel einig, dass es nicht darum geht alle industriell arbeitenden Nahrungsmittelproduzenten pauschal an den Pranger zu stellen, sondern die Alternativen in den Blickpunkt der Verbraucher zu rücken. Für sie ist der Weg des Fleisches vom Schlachten bis ins Dönerbrötchen nämlich nicht mehr nachvollziehbar.

Das ist beim Kauf auf dem Wochenmarkt oder beim Metzger vor Ort anders. Lebensmittel die auf kurzen Wegen über lokale Schlachthöfe oder selbst schlachtende Metzger verarbeitet werden, sind kontrollierbar und für den Verbraucher transparent. Massenware hingegen muss wegen der Haltbarkeit und aus hygienischen Gründen immer bearbeitet und manchmal auch manipuliert werden. Die Unternehmen, die dabei als Produzenten agieren, haben in der Regel schon einen weitreichenden Konzentrationsprozess mit den üblichen Begleiterscheinungen der Streichung von Arbeitsplätzen und weiteren Rationalisierungsmaßnahmen hinter sich. Börsennotierte Unternehmen entlassen selbst bei satten Gewinnen noch ihre eigenen Leute, nur damit der Aktienkurs kurzfristig noch höher steigt.

Das Gros der Arbeits- und vor allem der Ausbildungsplätze in Deutschland stellen aber die klein- und mittelständischen Betriebe. Ein Markt der auf viele Betriebe verteilt ist hat nicht zuletzt auch den Vorteil, dass ein kleines schwarzes Schaf in der Regel schneller erkannt wird, ohne dabei die gesamte Branche in Verruf zu bringen.

Es gibt viele gute Gründe regionale Wirtschaftskreisläufe in den Focus zu rücken, aber es ist wie mit den Fastenkuren, die nur zusammen mit veränderten Lebensgewohnheiten nachhaltig wirken: „Regionalität“ muss sich erst noch in den Köpfen der Verbraucher als Qualitätskriterium verankern.

Sven Mindermann
Stellv. Vorsitzender des Bundesverbandes der Regionalbewegung

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